Meine Geschichte

Ich wurde am 12. Juli 1997 um 19,04 Uhr im Landeskrankenhaus Schärding geboren. Mann, war das ein anstrengender Tag. Drei Tage zuvor war meine Mama schon ins Krankenhaus gekommen. In der Früh, gleich nach dem Aufstehen ist es nämlich in meiner Bauchwohnung ziemlich unangenehm geworden. Man sagt, die Fruchtblase ist geplatzt oder so. Auf jeden Fall wurde mir ziemlich flau da drinnen und ich beschloß umzuziehen. Mama ist ins Krankenhaus gerast und wurde dort erstmal stationär aufgenommen. Immerhin hätte ich ja noch 7 Wochen im Bauch bleiben sollen. Nun kam es zum Kräftemessen zwischen der Medizin und mir - ich wollte raus und die wollten mich unbedingt drinnen behalten. Also wurden Wehenhemmer eingesetzt und Mama mußte die ganze Zeit liegen, damit es zu keinen Komplikationen kommt. Man piekste sie um ihr etwas zur verabreichen, daß meine Lungen schneller reifen lassen soll (2-malige Gabe von Celestan-Biphase). Das mußte also 2 Tage mindestens wirken. In dieser Zeit zwischen Hoffen und Bangen ob alles gut geht habe ich mich sehr still verhalten. Dann drei Tage später, wurde am Morgen der Tropf mit den Wehenhemmern abgenommen und ich konnte mit meinem Auszug aus der heißgeliebten Wohnung beginnen.

Na ja, irgendwie konnte ich mich doch nicht so schnell entscheiden was ich nun will und erst um 19:04 abends war es dann soweit. Ich war auf der Welt. Hurra, welche Freude mit Mama zu kuscheln. Doch meine Freude währte nicht lange. Ich kam nach einem kurzen Phototermin mit Mama und Papa im Kreißzimmer in die Kinderabteilung, wo man mich von oben bis unten durchcheckte. Mama war ziemlich sauer, weil sie nicht mitdurfte. Erst ca 1,5 Stunden später wurde sie zu mir gebracht.

In der Zwischenzeit hatte man mich in einen Glaskasten gesteckt, den die Ärzte Inkubator nennen. Für ein Frühchen war ich zwar mit meinen 2400 g relativ schwer, aber ich hatte eine Lungeninfektion und man entschloß sich daher vorsichtig zu sein. Also lag ich da in dieser Vitrine und hoffte, daß man mich bald entlassen würde. Ich bekam Antibiotika gegen die Infektion aber ansonsten brauchte ich keine sonderliche ärztliche Hilfe. Ich konnte selbstständig atmen, das war ja schon mal was. Nur mit dem Stillen hat es nicht geklappt. Irgendwie bekam ich den Dreh mit dem Saugen nicht ganz raus. Außerdem war ich immer gleich wieder müde und pennte ständig beim Trinken ein.

Nach 10 Tagen Aufenthalt in der Kinderstation wurde ich mit Mama entlassen. Welch Freudentag. Ich glaube so schnell werden Frühchen normal nicht in die große weite Welt geschickt, aber bei mir schien alles in bester Ordnung zu sein. Also gings auf nach Hause.

Zuhause angekommen wurde ich erstmal von allen Seiten beäugt. Man nannte mich süßer Fratz oder so. Mama erzählt oft, daß das mit dem Trinken auch zu Hause immer noch sehr schwierig war. Sie hat genau Buch geführt, über die Mengen die ich zu mir nahm (fingerhutvoll...), über meinen Stuhlgang, Temperatur usw. Ich war eigentlich anfangs ein total ruhiges braves Kind, das sehr viel geschlafen hat.

Meine Eltern hielten das für ganz normal, denn ein Frühchen muß ja schließlich noch viel aufholen. Wir gingen zu allen Vorsorgeuntersuchungen sowie einmal monatlich zusätzlich in die Kinderstation zur Beobachtung. Im allgemeinen habe ich mich sehr gut entwickelt. Also kein Grund zur Sorge.

Als ich dann so ca. ½ Jahr alt war und immer noch brav und ruhig in meinem Bett lag, wurden meine Eltern unruhig. Ich griff nach keinem Gegenstand, konnte mit den Augen nichts fixieren. Was ich sehr gut konnte, war mich vom Bauch auf den Rücken zu drehen. Bauchlage mochte ich nämlich überhaupt nicht. Später hat man meiner Mutter erklärt, daß ich diese Drehung nur Aufgrund der Spastik zustande brachte. Damals wunderte man sich nur über diese Fertigkeit.

Mama fiel auch auf, daß ich mich ständig überstreckte, also wenn ich auf dem Rücken lag, legte ich den Kopf weit in den Nacken und guckte nach hinten. Aber auch das wurde als kein besonderer Grund zur Besorgnis von den Ärzten angesehen.

Und dann mußte ich für 1 Woche ins Krankenhaus wegen einer schlimmen Darminfektion. Die Ärzte hatten Zeit mich intensiv zu beobachten und weil ich mit den Augen nicht sonderlich auf etwas reagierte, überwies man mich an die Sehschule in Ried. Na das war eine Prozedur. Mama mußte mir 3 Tage vorher schon Tropfen in die Augen geben, die meine Pupillen weiten. Na ihr könnt Euch vorstellen wie beleidigt ich da war. Man stellte, wie sollte es anders sein, eine Sehschwäche fest und verpasste mir eine Brille. Ulkiges Ding. Aber irgendwie sah ich jetzt die Welt viel klarer. Und zur großen Freude meiner Eltern interessierte ich mich auch mehr für die Geschehnisse rund um mich herum. Nur gegen helles Licht (Sonne,..) habe ich noch sehr allergisch reagiert. Also da kann man ja wirklich ganz schlecht sehen da draußen. Alle Hoffnungen ruhten jetzt mehr oder weniger auf diesem Gestell mit 2 Gläsern. Ich nahm zwar jetzt meine Umwelt besser war und trat auch intensiver mit ihr in Kontakt aber motorisch war ich immer noch viel zu weit zurück.

Ich konnte mich nicht umdrehen, haßte die Bauchlage, konnte nicht sitzen, krabbeln oder mich sonst irgendwie fortbewegen.. Na ja und dann kam der wohl schwärzeste Tag im Leben meiner Eltern. Meine Mama war mit mir wieder bei einer Vorsorgeuntersuchung im Krankenhaus. Und der behandelnde Arzt mußte Mama die Diagnose "Verdacht auf kindliche Cerebralparese" stellen. Das war am 04.06.1998, also fast ein Jahr nach meiner Geburt . Was sie dabei gefühlt hat und wie sie damit umgegangen ist, sagt sie euch selber auf den nächsten Seiten.

Nun da die Diagnose gestellt war, wurde ich erstmal zur Krankengymnastik beordert. Ich kam zu Frau Rinner Petra, die mir meine ersten persönlichen Erfolge garantierte. Über den weiteren Verlauf meiner Therapien informiere ich hier "Therapien".

So daß waren die Ereignisse in meinem ersten Lebensjahr. Oh beinahe hätte ich es vergessen. Mama und Papa hatten sich um Verstärkung für mich bemüht. Im August 1998 kam mein Bruder Felix Andreas zur Welt. Jetzt ging es erst richtig rund. Aber dazu später.